Die Performance findet nicht statt

Transform Versuchsanordnung_2, 14. Dezember 2012

Transform ist ein interdisziplinäres mehrjähriges Kunstprojekt, das sich der Transformation als Grundkonstante unseres Daseins annimmt. Die ortsspezifischen Werke, die während dieser Zeit entstehen, werden zum untrennbaren Teil der Raums und können sich laufend verändern.

Diesen Grundsatz wollte Tobak Lithium unbedingt ästhetisch-formal einbetten. Die Veränderung, Transformation, der Prozess sollte im Zentrum stehen und nicht ein Werk. Werke, Ausstellungsstücke von Performances sind eigentlich meist nicht mehr als Reste der Arbeit – dieser Aspekt sollte thematisiert werden. So setzten wir uns für die Performance einige Grundbedingungen: einen beschränkten Zeitraum von zehn Tagen, nur vor Ort arbeiten, nur Materialien verwenden, die entweder zu uns oder zum Raum eine direkte Beziehung hatten. Jegliche Arbeit, jeder Gedanke von uns zum Raum wurde zudem aufgenommen, was in mehrstündigem Tonmaterial resultierte. Wir hielten uns also im Raum auf, assen, tranken, notierten sprachen, schnitten uns sogar die Haare und liessen jegliche Reste, die irgendwie entstanden, im Raum liegen. So wurde der Raum nicht aufgefüllt mit Gegenständen, sondern aufgeladen mit Handlungen, deren Überreste das einzige sind, was für die Nachwelt erhalten bleibt. Die Handlungen in diesem Raum waren einmalig passiert, das Publikum kann nur noch ihre Geister wahrnehmen, sieht von den Geschichten, die sich in diesem Raum abgespielt haben, nur noch ein Potenzial.

Während wir zu Beginn der Zeitspanne noch relativ unbedarft Dinge taten, bemerkten wir, wie die näher kommende Aufführung sich auf unseren Fokus auswirkte. Mehr und mehr sprachen wir darüber, am eigentlichen Abend gar nichts zu machen oder womöglich gar nicht erst anwesend zu sein.

Schliesslich entschieden wir uns dafür, dass auch unsere Gedanken als Geister anwesend zu sein hatten. Wir schnitten aus dem Tonmaterial eine Collage von einer halben Stunde, die wir im Loop laufen liessen. Wir teilten das Material auf in „Versuche“ und „Gedanken“ und teilten den jeweil- igen Kategorien eine Spur bzw. einen Lautsprecher zu, so dass auch einiges gleichzeitig passieren konnte. Am eigentlichen Abend waren wir, die Performenden, anwesend, ebenso das Publikum, aber die Performance fand gar nicht statt. Es gab keine Performance. Es gab nur Reste zu hören und sehen, es gab nur wahrzunehmen, wie wir eine Performance vorbereitet hatten.

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