Time for the Trade Sachs Trust Evening

Geld ist Gier. Geld ist Geiz. Geld ist das Schmierfett unserer kapitalistischen Maschinerie. Geld ist das Glück weniger und der gnadenlose Untergang vieler. Geld ist die Ausrede, mit der wir unsere Mitmenschen im Stich lassen. Geld ist nichts. Geld gehört zerstört.

Zu diesem Zweck hat die Performancegruppe Tobak Lithium 2015 die Antibank Trade Sachs gegründet, die nicht wie andere Banken aus nichts Geld macht, sondern aus Geld nichts. Ein ständig wachsendes Serviceangebot ermöglicht ihren Kund_innen, auf spielerische Art Franken um Franken zu vernichten und sich gleichzeitig mit der Frage zu beschäftigen: Wie wollen wir nach dem Geld miteinander leben? Wie wollen wir uns organisieren? Welchen Problemen müssen wir uns stellen und wie können wir sie meistern? Dabei geht es immer auch um Vertrauens- und Gemeinschaftsbildung in einer Welt, die Sicherheit und Verständnis nur mit bunten Nötchen begreift.

Bis zur geldlosen Gesellschaft ist es ein langer Weg. Solange werden wir unsere Arbeit weiterhin in Stundenlohn beurteilen, werden wir Bettler_innen unsere Hilfe weiterhin verweigern, werden wir weiterhin ein schlechtes Gewissen haben, jemanden um zehn Franken angepumpt zu haben, werden wir weiterhin Budget kaufen müssen, obwohl wir wissen, dass Bio gesünder für uns und Fair Trade gesünder für andere ist. Sprich: Die Banker_innen von Trade Sachs haben einen Denkfehler gemacht: Wenn sie alles Geld zerstören, das sie erhalten, wie sollen sie selbst ihre Mieten, Einkäufe und Rechnungen zahlen, solange das Geld nicht abgeschafft ist? Die Vision mag schön und gut sein, doch die Realität zwingt sie zu der Frage: Wie sollen sie überleben? Und da hatten die Banker_innen von Trade Sachs einen Einfall: Es braucht einen neuen Service, es braucht einen Theaterabend.

Der Trade Sachs Trust Evening ist der Theaterabend, mit dem die Banker_innen ihre Schulden begleichen wollen. Und zwar mit Ihren Schulden! Kommen Sie vorbei, lernen Sie Geld besser kennen, machen Sie Schulden bei uns und erhalten Sie Ihren individuellen Schuldschein. Vergnügen Sie sich und trinken, knabbern Sie, so viel Sie wollen. Trade Sachs wird Sie unterhalten, bedienen, Fragen beantworten und die Erdnussschälchen auffüllen, sollten Sie immer noch Appetit haben. Wenn Sie wünschen, reden wir mit Ihnen auch darüber, wie eine geldlose Gesellschaft aussehen könnte. Und vergessen Sie eines dabei nicht: ALLES KOSTENLOS! Alles auf Kredit. ALLES GRATIS! Ihr Vergnügen ist unser Lohn!

Und sobald der Abend vorbei ist, liegt es in Ihrer Hand: Wollen Sie Ihre Schulden begleichen?

Konzept und Spiel: Mirjam Berger, Silja Gruner, Miko Hucko, Thibault Schiemann; Kostüm und Bühne: Marisa von Weissenfluh; Oeil extérieur: Nicolette Kretz.
Koproduktion: Tojo Theater Bern

Spieldaten:
Donnerstag, 10. März 2016: 20.30 Uhr
Samstag, 12. März 2016: 20.30 Uhr
Sonntag, 13. März 2016: 19.00 Uhr

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What’s Up? Juli / August 2015

Im Moment sind wir ziemlich stark mit unserer Antibank Trade Sachs (www.tradesachs.org) beschäftigt – und auch unterwegs. So haben wir im Rahmen des SKILT Festivals im PROGR Bern ein Trust Experiment durchgeführt sowie unser mittlerweile beliebtes Börsenspiel Drink To The Market angeboten. Letzteres ist ebenfalls bis Ende Juli noch in der Sattelkammer zu spielen, im Rahmen der mühsam Bar.

Für den 1. August, den Schweizerischen Nationalfeiertag, haben wir uns etwas Spezielles ausgedacht – wir werden einen kleinen europäischen Souvenirshop haben… Dazu bald mehr!

Vom 4. – 6. August sind wir, ebenfalls mit Trade Sachs, am Festival für Freunde auf einem Hof in der Nähe von Brandenburg (D), wir freuen uns sehr! Dort werden wir erstmals eine post-monetäre Utopie pitchen und mit den Leute grundsätzliche Strukturen ausprobieren.

Des Weiteren arbeitet Tobak Lithium ab jetzt zu viert – unser Team hat sich wieder um eine Frau erweitert: Silja Gruner, Produktionsleiterin und Dramaturgin aus Bern. Und neu auch Performanceaktivistin.

Pläne, Pläne, Pläne

Tobak Lithium hat sich nach Ruine Europa erstmal auf die Social Space Agency konzentriert und hat so eine Verschnaufpause der eigenen Bühnenarbeit genommen.
Über den Sommer hat sich dann so einiges entwickelt:

1. Tobak Lithium ist radikaler geworden. Durch den Abschied vom Theater und Erfahrungen mit Arbeit im Sozialen und Öffentlichen Raum sind wir uns bewusst geworden, was wir genau machen wollen: Performanceaktivismus. Damit meinen wir ein Anwenden performativer Formen auf reale politische Prozesse, um den eingefahrenen Argumentationen und sich wiederholenden Kritiken neue Ideen entgegenzusetzen.

2. Tobak Lithium ist gewachsen. Neu sind wir zu dritt: Zu Thibault Schiemann und Miko Hucko stiess im Sommer Mirjam Berger hinzu. Hello there!

3. Tobak Lithiums nächstes Projekt heisst Trade Sachs. Dazu bald schon mehr.

4. Ruine Europa ist langsam abgeschlossen. Langsam nicht nur, weil uns das Thema immer noch beschäftigt, sondern auch, weil die Videoschnitte sich einfach in die scheinbare Unendlichkeit gezogen haben. Als Leckerli hier schon mal der Film, den wir damals in Bümpliz (jenseits von Europa?) gedreht haben, bald folgt mehr!

SoSA – Social Space Agency: Make a Path

Endlich ein neues Projekt! Frisch erholt von den Strapazen mit der untergehenden Europa (und den daraus in der Schweiz resultierenden politischen Geschehnissen…) haben wir grosses vor. Gemeinsam mit das schaubüro und dem Reality Research Center haben wir eine Organisation gegründet, die die Erforschung des sozialen Raums zum Ziel hat: Die Social Space Agency. Während fast drei Wochen wird die SoSA ihren ersten Halt in Bern machen, nämlich am zeitgenössischen Theaterfestival AUAWIRLEBEN.

Die SoSA bietet Ausbildungen zur Sozionautin / zum Sozionauten an, aber auch modifizierte Stadtführungen und die Live-Erschaffung eines Ferienressorts stehen auf dem Programm. Das Publikum hat die Möglichkeit,  Teil der SoSA zu werden, selbst zu forschen, die gesellschaftlichen Normen und unsichtbaren Konventionen auszuprobieren und neu mitzudefinieren.

Join SoSA – become a Socionaut! Ab dem ersten Mai nehmen wir die Stadt selbst unter die Lupe, und vom 7. bis 18. Mai haben wir ein Hauptquartier in der WiFAG – Fabrik an der Wylerstrasse, wo wir besucht werden können.